EU-Beitrittskandidaten am Westbalkan: Teil 2 - Albanien

Veröffentlicht am 3. November 2025 um 13:53

Albanien, gelegen zwischen der Adria und den Ländern Montenegro, Kosovo, Nordmazedonien und Griechenland, ist ein kleines Land mit knapp 29.000 km² Fläche und 2,4 Millionen Einwohnern. Beitrittskandidat ist Albanien seit 2014.

Gemeinsam mit Nordmazedonien starteten die Beitrittsverhandlungen mit der EU im Juli 2022. Dies nach einem zurückgezogenen Veto der Niederlande und Bulgariens. Nun gilt es, die 35 Verhandlungskapitel nach und nach abzuarbeiten. 2024 wurden dann die ersten Verhandlungskapitel eröffnet. Bis auf wenige Verhandlungskapitel wurden fast alle spätestens im Jahr 2025 eröffnet, jedoch keines bisher abgeschlossen.

 

Wie allen anderen Westbalkanstaaten ist es auch in Albanien so, dass Fortschritte nur sehr zögerlich stattfinden. Es ist offensichtlich, dass sich die Europäische Union nur mit Mundbekenntnissen zur Erweiterung der EU mit Westbalkanstaaten bekennen.

 

Eine starke Polarisierung der politischen Landschaft erschwert das Weiterkommen im Beitrittsprozess. 2021 gewann die Sozialistische Partei mit Edi Rama an der Spitze die Parlamentswahl mit knapp 50 %. Die Demokratische Partei erhielt 40 % der Stimmen.

 

Zwar liegt Albanien nur auf Platz 80 des Korruptionsindexes von Transparency International, dennoch wurden in den letzten Jahren Fortschritte in diesem Bereich gemacht. Dies wird allerdings noch lange nicht für einen EU-Beitritt reichen. Und die trotz Reformen, welche allerdings nicht zu greifen scheinen.

 

Die grassierende organisierte Kriminalität stellt wahrscheinlich die größte Hürde eines EU-Beitritts dar. Alle Bereiche dieser Form der Kriminalität sind betroffen. Bevorzugte Geschäftsfelder sind Drogen-, Waffen- und Menschenhandel. Das Problem dabei – die handelnden Personen sitzen oft in öffentlichen Positionen. In Politik, in der Verwaltung und in der Polizei. Ausschließlich in der Justiz scheinen Reformen zu greifen.

 

Die EU jedenfalls knüpft weitere Schritte an nachweisbare Fortschritte bei Justizreform und Korruptionsbekämpfung. Deshalb sind viele EU-Staaten sehr zurückhaltend in Sachen Albanien, um Fehler, wie bei der Aufnahme von Bulgarien und Rumänien zu vermeiden.